Ch. 22 Cruise Control

Ch. 22 - Cruise Control

Die Geschichte des Motorradtempomaten der 1970er Jahre – Die Anfänge mit mechanischen Systemen

Der Tempomat, auch Cruise Control genannt, ist heute für viele Tourenfahrer unverzichtbar. Doch bis zur modernen, elektronisch geregelten Variante war es ein langer Weg, der bereits vor über 50 Jahren begann.

 

1970er Jahre – Die Anfänge mit mechanischen Systemen

In den 1970er Jahren tauchten erstmals einfache mechanische Tempomaten auf. Diese bestanden meist aus einem kleinen Feststeller am Gasgriff, der die Stellung des Gashebels arretierte.
Besonders BMW, Harley Davidson und Honda boten bei ihren Tourenmodellen solche Vorrichtungen an. Sie ermöglichten zwar eine konstante Geschwindigkeit, konnten aber weder Steigungen noch Gegenwind ausgleichen. Es handelte sich also um reine Gasarretierungen und noch nicht um echte Regelsysteme.

 

1981 – Der erste elektronische Tempomat

Im Jahr 1981 brachte Kawasaki mit der Z1300 Touring (USA Version) das erste Motorrad mit einem elektronischen Tempomat auf den Markt.
Dieses System arbeitete ähnlich wie bei Autos aus dieser Zeit. Über Sensoren und ein Steuergerät wurde die Drosselklappe geregelt, um eine eingestellte Geschwindigkeit konstant zu halten. Damit gilt die Kawasaki Z1300 Touring als Pionier des elektronischen Tempomaten im Motorradbau.

 

1990er Jahre – Fortschritte durch Elektronik

In den 1990er Jahren hielten immer mehr elektronische Systeme Einzug in Motorräder. Mit der BMW K1200LT stellte BMW 1999 ein Tourenmotorrad vor, das über einen vollwertigen elektronischen Tempomat verfügte. Dieses System konnte die Geschwindigkeit exakt halten und reagierte deutlich sanfter als die frühen Lösungen.

 

2010er Jahre – Ride by Wire und moderne Tempomaten

Mit der Einführung der Ride by Wire Technologie, also der elektronischen Gassteuerung, wurde der Tempomat endgültig zu einem Standard bei hochwertigen Tourenmotorrädern.
Modelle wie die Yamaha FJR1300, BMW R1200RT oder Ducati Multistrada boten ab Mitte der 2010er Jahre hochpräzise Tempomaten, die per Knopfdruck aktiviert wurden und die Gassteuerung vollständig elektronisch übernahmen.

 

Ab 2019 – Der adaptive Tempomat

Ein echter Meilenstein war das Jahr 2019. Ducati präsentierte mit der Multistrada V4 den ersten adaptiven Tempomat, auch Adaptive Cruise Control genannt, für Motorräder. Dieses System nutzt Radarsensoren, um den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu messen, und passt die Geschwindigkeit automatisch an. Kurz darauf folgten BMW mit der R1250RT und KTM mit der 1290 Super Adventure mit ähnlichen Systemen.

 

Heute – Komfort und Sicherheit in einem

Heutige Tempomaten sind weit mehr als nur Komfortfunktionen. Sie tragen zur Entlastung des Fahrers, zu gleichmäßigem Fahren und sogar zur Spritersparnis bei. In Kombination mit modernen Fahrerassistenzsystemen sind sie ein fester Bestandteil der aktuellen Motorradtechnik geworden.

 

Und wie funktioniert der Tempomat?

Ein Tempomat dient dazu, die Geschwindigkeit eines Motorrads automatisch konstant zu halten, ohne dass der Fahrer dauerhaft am Gasgriff drehen muss. Dadurch werden längere Fahrten entspannter und gleichmäßiger, und der Fahrer kann sich besser auf den Verkehr konzentrieren.

Der technische Aufbau und die Funktionsweise hängen davon ab, ob es sich um ein mechanisches oder ein elektronisches System handelt.

 

Mechanische Tempomaten

Bei älteren oder einfacheren Systemen handelt es sich um sogenannte Gasgriff Feststeller. Diese arretieren den Gasgriff in einer bestimmten Position, sodass die Drosselklappe in derselben Stellung bleibt. Das Motorrad fährt damit ungefähr mit konstanter Geschwindigkeit, allerdings ohne aktive Regelung. Sobald sich die Bedingungen ändern (Steigungen, Gefälle oder Gegenwind) verändert sich auch die Geschwindigkeit. Der Fahrer muss also manuell nachregeln.

Mechanische Systeme sind einfach aufgebaut, aber sie bieten keine echte Geschwindigkeitsregelung. Sie dienen eher der Handentlastung bei langen Fahrten.

 

Elektronische Tempomaten

Moderne Motorräder sind mit elektronischen Tempomaten ausgestattet, die über Sensoren und Steuergeräte arbeiten. Dabei wird die tatsächliche Geschwindigkeit ständig gemessen und mit der vom Fahrer eingestellten Geschwindigkeit verglichen.
Das System greift bei Abweichungen aktiv in die Gassteuerung ein, um die Geschwindigkeit konstant zu halten.

Dazu kommen verschiedene Komponenten zusammen:

  • Geschwindigkeitssensor: Er misst permanent die aktuelle Fahrgeschwindigkeit.
  • Motorsteuergerät (ECU): Es verarbeitet die Signale und steuert die Drosselklappe oder die Einspritzanlage.
  • Bedieneinheit am Lenker: Über Schalter kann der Fahrer den Tempomat aktivieren, deaktivieren, beschleunigen oder verlangsamen.
  • Elektronische Drosselklappe (Ride by Wire): Hier wird das Gas nicht mehr mechanisch über einen Bowdenzug gesteuert, sondern elektronisch. Das Steuergerät kann so präzise Gas geben oder wegnehmen, um die Geschwindigkeit zu regeln.

Wird der Tempomat eingeschaltet, hält das System die aktuelle Geschwindigkeit konstant. Sobald der Fahrer die Bremse, die Kupplung oder den Gasgriff betätigt, wird der Tempomat sofort deaktiviert, damit der Fahrer jederzeit die volle Kontrolle behält.

 

Adaptive Systeme

Neuere Tempomaten arbeiten mit zusätzlichen Sensoren, meist Radarsystemen. Diese messen den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und passen die Geschwindigkeit automatisch an. Solche adaptiven Systeme halten nicht nur die eingestellte Geschwindigkeit, sondern auch einen sicheren Abstand, der besonders im dichten Verkehr ein großer Fortschritt für Komfort und Sicherheit darstellt. 

Es gibt inzwischen eine Reihe von Systemen, die jedoch meist in Kombination mit dem Radarsystem verwendet werden. 

 

1. Radar (Abstandsradar)

Das ist derzeit der Standard bei adaptiven Tempomaten.

  • Funktion: Sendet elektromagnetische Wellen aus und misst, wie lange sie brauchen, um von einem vorausfahrenden Fahrzeug reflektiert zu werden.
  • Vorteile: Funktioniert auch bei Dunkelheit, Regen oder Nebel.
  • Einsatz: Ducati, BMW, KTM, Kawasaki und Harley-Davidson verwenden Front- und teils Heckradar.

 

2. Lidar (Light Detection and Ranging)

  • Funktion: Arbeitet mit Laserimpulsen, um Entfernungen sehr präzise zu messen.
  • Vorteile: Sehr genaue Messung von Objekten und Abständen, besonders bei niedrigen Geschwindigkeiten.
  • Nachteile: Anfällig für schlechte Sichtverhältnisse (Regen, Nebel, Sonnenblendung).
  • Einsatz: Bisher kaum in Serienmotorrädern, wird aber von Herstellern wie Bosch und Continental für künftige Generationen getestet.

 

3. Kamerasysteme (optische Sensoren)

  • Funktion: Eine oder mehrere Kameras erkennen Fahrzeuge, Fahrbahnmarkierungen und Hindernisse.
  • Vorteile: Liefert zusätzliche Informationen, z. B. ob das erkannte Objekt wirklich ein Fahrzeug ist.
  • Nachteile: Stärker wetterabhängig, benötigt Bildverarbeitung.
  • Einsatz: Aktuell in der Entwicklung für die Kombination mit Radar (Sensorfusion). Einige Prototypen von Honda und Yamaha nutzen Kameras zusätzlich zur Umfeldanalyse.

 

4. Ultraschallsensoren

  • Funktion: Messen Entfernungen über Schallwellen.
  • Vorteile: Günstig und präzise im Nahbereich.
  • Nachteile: Nur für sehr kurze Distanzen geeignet, daher eher für Park- oder Kollisionsassistenten interessant.
  • Einsatz: Nicht für die eigentliche Tempomatfunktion, aber bei manchen Konzepten in Kombination mit anderen Sensoren.

 

5. IMU (Inertial Measurement Unit – Lagesensor)

  • Funktion: Misst Beschleunigung, Neigung und Drehbewegungen des Motorrads.
  • Vorteile: Ermöglicht, dass der adaptive Tempomat auch in Kurven sinnvoll funktioniert (z. B. Reduzierung der Geschwindigkeit bei Schräglage).
  • Einsatz: In modernen Systemen Standard. Arbeitet zusammen mit Radar oder Kamera.

 

6. Satellitentechnik und Kartendaten

  • Funktion: Das System kann geografische Daten einbeziehen, um z. B. Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Kurvenverläufe zu erkennen.
  • Vorteile: Vorausschauende Anpassung der Geschwindigkeit (z. B. vor Kurven oder Gefällen).
  • Einsatz: In Entwicklung bei Premiumherstellern; bekanntes Beispiel ist BMW mit „Active Cruise Control mit kartengestützter Geschwindigkeitsanpassung“.


Ein Tempomat beim Motorrad funktioniert also, indem er die gewünschte Geschwindigkeit elektronisch überwacht und über das Motormanagement reguliert. Er entlastet den Fahrer, sorgt für gleichmäßiges Fahren und kann in Verbindung mit modernen Zusatz-Varianten auch zur Sicherheit beitragen.

 

Voraussetzungen für die Funktion eines Motorradtempomaten

Ein Tempomat auf dem Motorrad funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen, um Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Grundsätzlich muss sich das Motorrad in einem stabilen Fahrbereich befinden, um die Geschwindigkeit konstant halten zu können.

Fahrbereiche: 

  • Instabiler Fahrbereich: Sehr niedrige Geschwindigkeiten oder unsichere Fahrbedingungen, bei denen das Motorrad auf kleine Gasbewegungen oder Straßenunregelmäßigkeiten stark reagiert.
  • Stabiler Fahrbereich: Niedrige bis mittlere Geschwindigkeiten, bei denen das Motorrad gleichmäßig und zuverlässig fährt
  • Quasi-stabiler Fahrbereich: Hohe Geschwindigkeiten, bei denen das Motorrad grundsätzlich stabil bleibt, aber leichten Schwankungen unterliegt, die durch äußere Faktoren wie Wind oder leichte Straßenneigungen verursacht werden.
    1. Aussenden eines Funksignals:
      Das Radarsystem sendet elektromagnetische Wellen aus (Radiowellen).

Der stabile Fahrbereich beschreibt eine Geschwindigkeit und Gangstufe, in der das Fahrzeug geradeaus fährt und das Fahrverhalten vorhersehbar ist, ohne dass kleine Änderungen am Gasgriff oder der Kupplung das Motorrad unkontrolliert beschleunigen oder abbremsen. Unterhalb dieses Bereichs, im sogenannten instabilen Fahrbereich, würde der Tempomat Schwierigkeiten haben, die Geschwindigkeit stabil zu halten, da hier viele Variablen ins Spiel kommen.

Der stabile Fahrbereich beginnt technisch gesehen bereits bei etwa 30 km/h, aber die Hersteller setzen in der Regel Sicherheitsreserven, weshalb der Tempomat in der Praxis erst ab höheren Geschwindigkeiten, meistens ab 50 km/h, aktiviert wird. Diese Sicherheitsreserve sorgt dafür, dass das Motorrad ausreichend Vortrieb hat und das Fahrverhalten auch bei kleineren Unebenheiten oder Fahrbahnunregelmäßigkeiten stabil bleibt.

Neben der Geschwindigkeit spielt auch der Gang eine wichtige Rolle. 

Der Tempomat arbeitet meist nur in einem bestimmten Gangbereich. Viele Systeme funktionieren erst ab dem vierten Gang, da das Motorrad in niedrigeren Gängen zu empfindlich auf Gasänderungen reagiert. Einige neuere Modelle, wie die DCT-Version der Honda NT1100, erlauben jedoch auch die Aktivierung ab dem dritten Gang, wenn die Geschwindigkeit entsprechend hoch und stabil genug ist.

Die Honda NT1100 ist ein Beispiel für einen Motorradtempomat, der bei einer Mindestgeschwindigkeit von 50 km/h aktiv wird. In der Standardversion (A-Modell) muss der Tempomat im vierten Gang aktiviert werden, während die DCT-Version (D/DE) bereits ab dem dritten Gang funktioniert. 

Diese Einschränkungen gewährleisten, dass das System nur dann aktiv wird, wenn die Fahrbedingungen ausreichend stabil sind.

Im Vergleich dazu verwendet die Ducati Multistrada V4 ein adaptives Tempomatsystem (ACC), das nicht nur die Geschwindigkeit hält, sondern auch den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen automatisch anpasst. Dieses System funktioniert bereits ab etwa 30 km/h, und es arbeitet auf Basis von Radar- und Kamerasensoren, die die Verkehrssituation vorausschauend steuern. Bei der Ducati ist es daher nicht zwingend erforderlich, dass der Tempomat im vierten Gang aktiviert wird, da das System die Geschwindigkeit dynamisch anpasst.

 

Sensorsysteme beim adaptiven Motorradtempomat

Moderne adaptive Tempomaten für Motorräder arbeiten heute mit verschiedenen Sensortypen, die gemeinsam dafür sorgen, dass das System den Verkehr und die Umgebung zuverlässig erkennt. Ziel ist es, die Geschwindigkeit automatisch an den vorausfahrenden Verkehr anzupassen und gleichzeitig ein sicheres, gleichmäßiges Fahrverhalten zu gewährleisten.

Die wichtigste Grundlage dafür ist die Kombination aus mehreren Sensoren, die miteinander vernetzt sind. Man spricht dabei von Sensorfusion.

 

Radar – die bewährte Basis

Das Radarsystem, wobei Radar für „Radio Detection And Ranging“ steht (Erkennung von Objekten durch Radiowellen) ist derzeit die wichtigste Technologie beim adaptiven Tempomat. Es sendet elektromagnetische Wellen aus und misst, wie lange diese brauchen, um von einem vorausfahrenden Fahrzeug reflektiert zu werden. 

Für die, die es noch genauer wissen wollen:

Radar ist im Kern eine Laufzeitmessung (Forward- and Reflected Power).

  1. Reflexion am Objekt:
    Die Wellen treffen auf ein Hindernis, z. B. ein vorausfahrendes Fahrzeug, und werden zurück zum Sensor reflektiert.
  2. Messen der Laufzeit:
    Das Steuergerät misst, wie lange die Wellen brauchen, um zurückzukommen.
  3. Berechnen von Entfernung und Geschwindigkeit:
  • Entfernung: Die Zeit zwischen Aussenden und Empfangen der Welle wird genutzt, um die Distanz zu berechnen.
  • Relativgeschwindigkeit: Durch den „Doppler-Effekt“ kann die Geschwindigkeit des Objekts relativ zum Motorrad ermittelt werden.
  • Richtung oder Position – durch die Empfangsantenne und Signalverarbeitung.

Daraus berechnet das System den Abstand und die relative Geschwindigkeit.
Radar funktioniert zuverlässig bei Dunkelheit, Regen oder Nebel und ist daher ideal für den Alltagsbetrieb geeignet. Es liefert stabile Daten, kann jedoch nicht erkennen, um welches Objekt es sich handelt.

 

Kamera – das Auge des Systems

Kamerasysteme erfassen die Umgebung optisch. Sie erkennen Fahrzeuge, Fahrbahnmarkierungen, Verkehrszeichen und sogar Fußgänger. In Kombination mit Radar kann die Kamera bestätigen, ob ein erkanntes Objekt tatsächlich ein Fahrzeug ist.
Ihr Nachteil ist die Abhängigkeit von Licht und Wetter. Bei Dunkelheit, starkem Regen oder Nebel kann die Bildqualität eingeschränkt sein. Dennoch liefert die Kamera wertvolle Zusatzinformationen, die die Regelung des Tempomaten verbessern.

 

Lidar – präzise Entfernungsmessung mit Licht

Lidar steht für Light Detection and Ranging. Dieses System arbeitet mit Laserimpulsen, um Abstände und Umrisse von Objekten sehr genau zu messen. Lidar kann dreidimensionale Punktwolken der Umgebung erzeugen und ist dadurch extrem präzise.
Bisher ist Lidar bei Motorrädern noch selten, da die Technologie teuer und empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen ist. Hersteller wie Bosch und Continental testen jedoch kompakte Systeme, die künftig auch bei Motorrädern zum Einsatz kommen könnten.

 

IMU – das Gleichgewichtssystem

Die Inertial Measurement Unit (IMU) misst die Beschleunigung, Neigung und Drehbewegungen des Motorrads. Diese Daten sind entscheidend, damit der adaptive Tempomat auch in Kurven sicher funktioniert. Wenn sich das Motorrad neigt, erkennt das System dies über die IMU und reduziert gegebenenfalls die Geschwindigkeit sanft, um Stabilität und Komfort zu erhalten.

 

Satellitensysteme und Kartendaten – vorausschauendes Fahren

Ergänzend durch die Nutzung von moderne Satellitensysteme und digitale Karten, kann der Tempomat nicht nur auf vorausfahrende Fahrzeuge reagieren, sondern auch auf bevorstehende Kurven, Steigungen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Das System kann die Geschwindigkeit also vorausschauend anpassen, bevor der Fahrer selbst eingreifen müsste. Diese Funktion ist besonders bei langen Touren oder wechselndem Gelände ein großer Komfortgewinn.

Moderne Systeme nutzen aber nicht nur das Galileo-System, sondern können auf mehrere Satellitensysteme zugreifen, um die Position noch genauer und zuverlässiger zu bestimmen.

Damit moderne Systeme auf unterschiedliche SAT-Systeme zugreifen können, sind Hardwareabhängigkeit, Software & Steuerung die Voraussetzung dafür. 

 

Praxisbeispiel

Ein Motorrad mit Multi-GNSS-Tempomat kann in der Regel Galileo + GPS + GLONASS parallel nutzen.

Das steigert Genauigkeit, Redundanz und Zuverlässigkeit der vorausschauenden Geschwindigkeitsteuerung.

 

Ultraschall – Ergänzung im Nahbereich

Ultraschallsensoren arbeiten mit Schallwellen und messen sehr kurze Distanzen. Sie kommen beim Motorrad seltener zum Einsatz, da ihr Messbereich begrenzt ist. In Zukunft könnten sie jedoch bei niedrigen Geschwindigkeiten oder beim Rangieren zusätzliche Sicherheit bieten, beispielsweise in Kombination mit Parkassistenten.

 

Sensorfusion – das Zusammenspiel aller Systeme

Die eigentliche Stärke moderner Tempomaten liegt in der Kombination dieser Sensoren. Das Steuergerät wertet die Informationen aller Quellen aus und verschmilzt sie zu einem Gesamtbild der Umgebung.
 

Radar liefert Abstandsdaten, die Kamera erkennt die Art des Objekts, die IMU meldet die Schräglage, und GPS liefert vorausschauende Informationen über die Strecke. Auf Basis dieser Daten entscheidet das System, ob beschleunigt, verzögert oder die Geschwindigkeit gehalten werden soll.

 

Klar ist

Ein adaptiver Tempomat im Motorrad ist heute ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Sensortechnologien. Während Radar die Grundlage bildet, sorgen Kamera, IMU, GPS und künftig auch Lidar für immer genauere und sicherere Regelungen. Das Ergebnis ist eine intelligente Geschwindigkeitssteuerung, die Komfort und Sicherheit gleichermaßen verbessert – ein weiterer Schritt in Richtung teilautomatisiertes Fahren auf zwei Rädern.

 

Den modernen Tempomat mal auf den Punkt gebracht 

Ein Motorradtempomat kann erst dann zuverlässig arbeiten, wenn das Fahrzeug eine ausreichende Geschwindigkeit erreicht hat und sich im stabilen Fahrbereich befindet. Der Tempomat wird in der Regel ab 50 km/h aktiviert, um eine stabile Fahrt zu gewährleisten. Dies ist in der Praxis die typische Mindestgeschwindigkeit, da Hersteller wie Honda und Ducati Sicherheitsreserven einplanen, um das System sicher und zuverlässig arbeiten zu lassen. Auch der Gang spielt eine wichtige Rolle.

Bei den meisten Motorrädern funktioniert der Tempomat erst ab dem vierten Gang, wobei es bei einigen neueren Modellen auch schon im dritten Gang möglich ist. Die Ducati Multistrada V4 zeigt beeindruckend, wie moderne adaptive Tempomaten auch mit Geschwindigkeits- und Abstandsanpassungen in einem breiteren Bereich arbeiten.

 

Nachrüstbarkeit von Tempomaten bei Motorrädern und warum eine Prüfstelle wichtig ist

Wer sich einen Tempomaten für sein Motorrad nachrüsten möchte, obwohl das Bike serienmäßig keinen hat, kann das grundsätzlich tun – es gibt aber ein paar Dinge, die beachtet sein sollten, besonders wenn es um Zulassung und Sicherheitsprüfungen geht.

Mechanische Tempomaten sind in der Regel einfacher nachzurüsten, weil sie keinen großen Eingriff in die Fahrzeugtechnik erfordern. Bei elektronischen Tempomaten wird es etwas komplizierter, da diese tief in die Steuerung des Motorrads eingreifen und somit sicherheitsrelevante Systeme beeinflussen können.

 

Mechanische Tempomaten

Mechanische Tempomaten, die den Gasgriff in einer bestimmten Position fixieren, sind eine relativ einfache Lösung für Langstreckenfahrer. Sie funktionieren wie ein einfaches Zubehör, das den Gasgriff in der gewünschten Position hält, ohne die Elektronik des Motorrads zu beeinflussen. In der Regel musst du für die Nachrüstung eines mechanischen Tempomaten keine spezielle TÜV-Abnahme durchführen lassen – vorausgesetzt, es gibt keine anderen sicherheitsrelevanten Bedenken.

 

Sicherheitsaspekte und Verantwortung
Obwohl mechanische Tempomaten einfach zu installieren sind, solltest du dir bewusst sein, dass du als Fahrer immer die volle Verantwortung über dein Fahrzeug und dein Fahrverhalten behältst. Die größte Gefahr bei mechanischen Tempomaten ist, dass das System im Notfall nicht sofort reagiert. Wenn du in einer gefährlichen Situation den Gasgriff schnell zurückziehen musst, kann es sein, dass du nicht sofort die Kontrolle über die Geschwindigkeit hast, da der Tempomat den Gasgriff in einer festen Position hält.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass der Tempomat unter bestimmten Bedingungen, etwa bei starkem Wind oder bergauf/bergab Fahren, die Geschwindigkeit des Motorrads nicht korrekt anpasst. Das kann zu einer überhöhten Geschwindigkeit führen, die in manchen Situationen gefährlich sein kann.

Die Bremsbereitschaft und das Reaktionsvermögen des Fahrers sind entscheidend. Wenn du den Tempomaten auf langen Strecken nutzt, solltest du stets darauf achten, dass du auch weiterhin jederzeit den Gasgriff in kritischen Situationen schnell und sicher bedienen kannst. Es ist wichtig, dass du den Tempomaten niemals als Vollautomatik verstehst, sondern nur als Hilfsmittel, das dir auf geraden Strecken und bei konstanter Geschwindigkeit helfen kann.

 

Elektronische Tempomaten

Anders sieht es aus, wenn man einen elektronischen Tempomaten nachrüsten möchte. Diese Systeme greifen direkt in die Elektronik des Motorrads ein, sie steuern zum Beispiel die Drosselklappen und beeinflussen somit das Beschleunigungs- und Bremsverhalten. Da solche Eingriffe potenziell die Fahrzeugsicherheit betreffen, ist es wichtig, dass sie von einer anerkannten Prüfstelle (wie dem TÜV) geprüft werden.

 

Warum ist eine Prüfung nötig?

Ein elektronischer Tempomat kann das Fahrverhalten des Motorrads verändern. Deshalb möchte der TÜV sicherstellen, dass das System zuverlässig funktioniert und keine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellt. Es geht dabei vor allem darum, dass die Brems- und Beschleunigungsfunktionen des Motorrads nicht negativ beeinflusst werden. Wenn das System gut funktioniert, aber nicht richtig geprüft wurde, könnte es im Fall eines Unfalls oder einer Kontrolle ein Problem geben.

 

Was heißt das für die Zulassung?

Bevor ein elektronischer Tempomat eingebaut wird, sollte klar sein, dass dafür ein Teilegutachten oder eine Konformitätserklärung benötigt wird, die bestätigt, dass das nachgerüstete System den gesetzlichen Anforderungen entspricht. 

Falls das nicht vorhanden ist, könnte es sein, dass das System einer Einzelabnahme unterzogen werden muss, was bedeutet, das eine Prüfung durch den TÜV oder eine andere anerkannte Stelle bestätigt, dass alles sicher ist.

Wenn das System dann abgenommen wird, könnte es notwendig sein, es in die Fahrzeugpapiere einzutragen, damit es auch rechtlich auf der Straße genutzt werden darf. Fehlt diese Abnahme, könnte das im schlimmsten Fall die Betriebserlaubnis des Motorrads gefährden.

 

Rechtliche Grundlagen

Die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) ist hier die Grundlage. 

Sie regelt, wann und wie Änderungen am Fahrzeug zugelassen werden müssen.

  • § 19 StVZO – Prüfung bei Fahrzeugveränderungen
    Wenn an einem Motorrad etwas geändert wird, was sicherheitsrelevant sein könnte – wie das Nachrüsten eines elektronischen Tempomaten – muss dies von einer Prüfstelle geprüft werden. So wird sichergestellt, dass die Änderungen keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheit haben.

 

  • § 21 StVZO – Technische Prüfungen
    Dieser Paragraf legt fest, dass bei Änderungen, die das Fahrverhalten betreffen (wie bei elektronischen Tempomaten), eine technische Prüfung erforderlich sein kann. Das ist besonders wichtig, wenn das System direkt in die Steuerung von Gas und Bremsen eingreift.

 

  • § 70 StVZO – Erforderlichkeit der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE)
    Laut diesem Paragrafen dürfen Bauteile oder Systeme nur dann in einem Fahrzeug verwendet werden, wenn sie eine ABE haben oder von einer Prüfstelle zugelassen wurden. Fehlt eine solche ABE für den Tempomaten, muss der Einbau einer Einzelabnahme unterzogen werden.

 

  • § 1 StVZO – Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr
    Dieser Paragraf regelt die allgemeine Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr. Damit ein Motorrad auch nach der Nachrüstung eines Tempomaten weiterhin legal auf der Straße fahren darf, muss es sicher und vorschriftsmäßig sein.                

 

  • § 10 StVZO – Allgemeine Anforderungen an die Ausrüstung von Fahrzeugen
    Hier werden die Anforderungen beschrieben, die alle Fahrzeugteile erfüllen müssen. Auch nachgerüstete Systeme müssen sicherstellen, dass sie die Verkehrssicherheit nicht gefährden

 

Also, geht das Nachrüsten?

Die Nachrüstung eines Tempomaten ist grundsätzlich möglich, aber es kommt darauf an, ob es sich um ein mechanisches oder elektronisches System handelt. Mechanische Tempomaten erfordern in der Regel keine TÜV-Abnahme, während elektronische Tempomaten fast immer durch eine Prüfstelle abgenommen werden müssen, da sie sicherheitsrelevante Funktionen wie die Steuerung der Gas- und Bremsmechanismen beeinflussen.

Bevor man also einen elektronischen Tempomaten einbaut, sollte man sicherstellen, dass alle erforderlichen Dokumente wie ein Teilegutachten oder eine Konformitätserklärung vorliegen. Falls nicht, könnte es sein, dass das System einer Einzelabnahme unterzogen werden muss, um sicherzugehen, dass alles den rechtlichen Vorgaben entspricht.

So vermeidet man Probleme bei einer Kontrolle und kann seinen Tempomaten ganz entspannt nutzen, ohne sich Sorgen um die Zulassung machen zu müssen.

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