Ch. 28 - Fuel
E5, E10 oder lieber ethanolfreies Benzin?
Motorräder mit Dieselmotor sind echte Exoten. Nur wenige Hersteller haben sich überhaupt an dieses Konzept herangewagt.
Bekannte Beispiele sind die Track T-800 CDI, die mit einem Smart-Dreizylinder-Dieselmotor ausgestattet war, oder die Sommer Diesel 462, die auf einem Einzylinder aus Indien basierte.
Beide Modelle sind heute kaum noch anzutreffen, also bleiben für uns Motorradfahrer in aller Regel die Benzinsorten.
Doch welche Sorte ist die richtige?
E5, E10, Super Plus oder sogar Premium-Kraftstoff ohne Ethanol? Gibt es überhaupt Benzin ohne Ethanol?
Und was bedeuten eigentlich die Zahlen 95, 98 oder 102 auf der Zapfsäule?
Hier bekommst du den Überblick, der klar erklärt, was es gibt, ohne Fachchinesisch.
Was bedeutet E5 und E10?
Die Bezeichnungen E5 und E10 sind gesetzlich vorgeschriebene Hinweise an der Zapfsäule. Sie geben an, wie viel Ethanol – also Alkohol – maximal im Kraftstoff enthalten sein kann:
• E5: bis zu 5 % Ethanol
• E10: bis zu 10 % Ethanol
Wichtig: Das „bis zu“ bedeutet, dass der tatsächliche Anteil schwanken darf. Es handelt sich also um eine Obergrenze, nicht um den genauen Wert.
Ethanol wird dem Benzin beigemischt, um fossile Anteile zu reduzieren und die Umweltbilanz zu verbessern. Für viele Motoren ist das grundsätzlich unproblematisch, aber es hat Nebenwirkungen, die Motorradfahrer kennen sollten.
Ethanol - warum es Probleme machen kann
Ethanol ist im Grunde ein Alkohol, der dem Benzin beigemischt wird. Er wird hauptsächlich aus pflanzlichen Rohstoffen wie Mais, Zuckerrohr oder Getreide hergestellt. Dabei werden die Zuckerbestandteile durch Fermentation mit Hilfe von Hefen in Alkohol umgewandelt, ähnlich wie bei der Herstellung von Bier oder Wein, nur technisch und in viel größerem Maßstab.
Ethanol ist hygroskopisch, das heißt: Es zieht Wasser aus der Umgebungsluft an.
Das führt zu mehreren möglichen Problemen, besonders wenn das Motorrad länger steht:
• Wasser im Kraftstoffsystem: Ethanol bindet Feuchtigkeit, die sich mit der Zeit im Tank absetzen kann.
• Korrosion: Vor allem Metalltanks können von innen anfangen zu rosten.
• Startprobleme im Frühjahr: Wenn sich zu viel Wasser im System befindet, kann der Motor, insbesondere bei Vergasermodellen, schlecht anspringen oder unruhig laufen.
• Materialbelastung: Ältere Gummischläuche, Dichtungen oder Aluteile können durch Ethanol angegriffen werden.
Das ist auch der Grund, warum Werkstätten nach der Winterpause oft gut zu tun haben. Grund: Rost im Tank, verstopfte Düsen oder zähe Starts sind klassische Folgen von ethanolhaltigem Kraftstoff.
Welche Benzinsorten gibt es – und was passt zu welchem Motorrad?
E5 (Super 95)
Der Standard-Kraftstoff für fast alle modernen Motorräder.
Bis zu 5 % Ethanol sind unproblematisch, solange das Motorrad regelmäßig gefahren wird. Bei längeren Standzeiten empfiehlt sich jedoch, den Tank voll zu halten oder einen Kraftstoffstabilisator zu verwenden.
E10 (Super E10)
Günstiger und ökologisch besser, da bis zu 10 % Ethanol enthalten sein können.
Allerdings ist E10 aggressiver gegenüber älteren Dichtungen und zieht mehr Wasser an. Nur verwenden, wenn der Hersteller deines Motorrads es ausdrücklich erlaubt – sonst lieber bei E5 bleiben.
Shell V-Power Racing 100
Premium-Benzin mit hoher Klopffestigkeit (ROZ 100).
Shell weist darauf hin, dass bis zu 5 % Ethanol enthalten sein können. Der Sprit sorgt für eine saubere Verbrennung und eignet sich für sportliche Motorräder, ist aber nicht völlig ethanolfrei.
Aral Ultimate 102
Laut Aral komplett ethanolfrei und mit einer besonders hohen Klopffestigkeit (ROZ 102).
Dieser Kraftstoff ist ideal für Oldtimer, Vergasermotoren oder Motorräder, die über den Winter stehen. Kein Ethanol bedeutet keine Wasseraufnahme, keine Rostgefahr und einen problemlosen Start im Frühling. Somit der Luxus für dein Motorrad.
Research-Oktanzahl, ein Maß für die Klopffestigkeit von Ottokraftstoffen (Benzin)
ROZ 91, 95, 98, 102 – was bedeuten diese Zahlen?
Neben dem „E“ findet man auf jeder Zapfsäule auch eine Zahl wie 91, 95, 98 oder 102.
Diese Werte stehen für die sogenannte Oktanzahl bzw. Klopffestigkeit eines Kraftstoffs.
Was ist Klopfen?
Beim Verdichten des Benzin-Luft-Gemischs im Motor steigt der Druck und die Temperatur. Wenn das Gemisch zu früh und unkontrolliert zündet, also nicht durch den Zündfunken, sondern von selbst, spricht man vom Klopfen.
Das kann zu:
• Leistungsverlust,
• unruhigem Motorlauf,
• Überhitzung,
• und sogar Motorschäden führen.
Je höher die Oktanzahl, desto klopffester ist der Kraftstoff, desto später zündet er.
Die gängigen Oktanzahlen im Überblick
• ROZ 91 – Normalbenzin:
Früher Standard, heute kaum noch erhältlich. Nur wenige ältere Fahrzeuge werden damit betankt.
• ROZ 95 – Super:
Heutiger Standardkraftstoff und für fast alle Motorräder geeignet.
Gute Balance aus Preis, Leistung und Sicherheit.
• ROZ 98 – Super Plus:
Klopffester und sauberer in der Verbrennung, oft die bessere Wahl für sportliche Motoren.
• ROZ 100–102 – Premiumkraftstoffe (z. B. Shell V-Power, Aral Ultimate):
Höchste Klopffestigkeit, maximale Sauberkeit und Schutz. Besonders interessant für Hochleistungsmotoren oder Maschinen, die länger stehen.
Klare Empfehlung für Motorradfahrer
• Im Alltag: Super E5 (ROZ 95) ist die sichere Standardwahl.
• Bei E10-Freigabe: Kann problemlos getankt werden, wenn der Hersteller es erlaubt.
• Für Saisonfahrer oder empfindliche Motoren: Besser zu ethanolfreiem Premium-Benzin wie Aral Ultimate 102 greifen. Kein Wasser, kein Rost, keine Startprobleme.
• Für sportliche Bikes: Super Plus (ROZ 98) oder Premiumkraftstoffe sorgen für saubere Verbrennung und maximale Klopffestigkeit.
Aber...
Ethanolhaltige Kraftstoffe sind heute Standard, aber nicht immer ideal fürs Motorrad.
E5 ist für die meisten Maschinen perfekt geeignet, E10 nur mit Freigabe, und ethanolfreier Premium-Sprit ist die beste Wahl für empfindliche oder selten genutzte Motorräder.
Die Oktanzahl (ROZ) verrät, wie klopffest ein Benzin ist, also wie gut es in deinem Motor kontrolliert verbrennt.
Kurz gesagt:
E5 ist sicher, E10 ist sparsam, Premium-Benzin ist Schutz und Pflege in einem.
Wer sein Motorrad liebt, tankt mit Verstand.